Aktuelles

Stellungnahme zu den Betrugsvorwürfen in der Berliner ambulanten Pflege

Die Diskussionen um Berliner Betrugsfälle in der Ambulanten Pflege reißen nicht ab. Daher meldet sich jetzt auch das Berliner Aktionsbündnis Ambulante Palliativpflege zu Wort.

Der Vorstandsvorsitzende des BAAP e.V. Sven Francke (34) meint, dass die Diskussion, um den Betrug in der ambulanten Pflege einerseits berechtigt ist, denn es gibt offenkundig etliche Einzelfälle. Andererseits ist sie hochgradig unfair, weil somit zahlreiche Unternehmer diskriminiert werden, die sich krumm in dem System legen. In der ambulanten Pflege verdient man alles andere als viel Geld. Die unternehmerischen Risiken sind hoch, teilweise höher als in der Normalwirtschaft. Zudem ist die Mitarbeiterfluktuation angesichts viel zu niedriger Gehälter, die gezahlt werden können, sehr hoch. In diesem System als Unternehmen erfolgreich zu bestehen, ist schwierig, gerade auch weil Qualität bis dato nicht belohnt wird.

Darum bedarf es erstens anderer Vergütungssysteme, in denen die Qualität der Pflege höher belohnt wird. Zum zweiten sollte aber auch eine Initiative aller Beteiligten ins Leben gerufen werden, um Abrechnungsbetrug schneller auf die Spur zu kommen. So fehlt es beispielsweise an einer s.g. Whistleblower-Plattform bei den Krankenkassen, also einer Plattform, auf der man anonym Hinweise auf Pflegedienste geben kann, die vermutlich betrügerisch abrechnen. Dies gibt z.B. Mitarbeitern die Möglichkeit, geschützt Hinweise zu geben. Durch Rückfragen, die den Hinweisgeber erreichen, ohne ihn aufzudecken, kann die Krankenkasse sicherstellen, dass derjenige profunde Hinweise gibt und sich nicht einfach nur bei seinem Arbeitgeber rächen will.

Darüber hinaus sollten die Verbände und die Krankenkassen eine Arbeitsgruppe zur Früherkennung von Betrug einrichten. In der Regel gibt es in der Praxis immer bestimmte Indikatoren (z.B. zu hohe Pro-Mitarbeiter-Umsätze oder abgeschirmte Buchhaltungen), die auf Betrug hinweisen können. Diese sollten gemeinsam erarbeiten werden.

Von Kampagnen wie die, die derzeit in Berlin stattfinden, rät Francke eindringlich ab. Sie dienen niemanden, weder dem Patienten, der verunsichert ist und seinem Pflegedienst misstraut, noch der Zusammenarbeit zwischen Krankenkassen, Verbänden und Pflegediensten.

Das BAAP bietet daher an, wie beispielsweise der Paritätische Wohlfahrtsverband auch, den Berliner Krankenkassen sowie dem Senat bei der Aufdeckung möglicher Betrugsfälle und der Erarbeitung eines Frühwarnsystems behilflich zu sein und fordert den Berliner Senat auf, unverzüglich von derartigen Berichterstattungen zulassen. Zudem erwarten wir einen Widerruf, der erkennen lässt, dass man die ambulante Pflege nicht mit korrupten Pflegediensten über einen Kamm scheren darf.

Historie

http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1919551/Senat-geht-staerker-gegen-falsche-Abrechnungen-vor.html

http://www.bz-berlin.de/aktuell/berlin/senat-jeder-3-pflegedienst-zockt-ab-article1403924.html

http://m.faz.net/aktuell/politik/inland/bahr-mit-konsequenz-verfolgen-millionenbetrug-in-der-pflege-11670985.html

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/abrechnungsbetrug-truegerische-pflege-11679429.html

Berliner Aktionsbündnis als Verein gegründet

Die spezialisierten Berliner Palliativpflegedienste haben sich zum Berliner Aktionsbündnis Ambulante Palliativpflege (BAAP e.V.) zusammen geschlossen. Nach Ansicht der Initiatoren wurde dieser Schritt erforderlich, um in Berlin eine bessere, wirtschaftlich tragfähige und flächendeckende ambulante Versorgung schwerstkranker, sterbender Patienten sicherzustellen:

„Damit ziehen wir die Konsequenz aus der immer noch schwierigen Lage der ambulanten palliativen Pflege in Berlin“, erklärt der neue Vorsitzende Sven Francke. Bereits im letzten Jahr hatten die Pflegedienste gemeinsam mit öffentlichen Aktionen auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass die Pflege sterbender Menschen in Berlin erheblich unterfinanziert war und daher vor dem Aus stand. In außerordentlichen Verhandlungen mit den Krankenkassen konnten leicht erhöhte Vergütungssätze durchgesetzt werden. „Dennoch sind die Versorgungsstrukturen in Berlin immer noch lückenhaft und teilweise defizitär“, so Francke weiter.

Die Pflegedienste haben nun aus diesen Aktionen einen festen Zusammenschluss werden lassen, der künftig als Verhandlungspartner gegenüber den Krankenkassen auftreten soll. Daher sieht das Arbeitsprogramm für das Jahr 2012 auch als zwei Schwerpunkte die Verhandlungen mit den Berliner Gesetzlichen Krankenkassen über die zum Jahresende auslaufenden Verträge sowie die Begleitung der bundesweiten Vertragsverhandlungen mit den Privaten Krankenkassen vor. Für Privatpatienten gibt es bis heute noch überhaupt keine Vergütungsregelungen, sodass ambulante palliative Pflege immer nur im Einzelfall von der Kasse bewilligt und erstattet wird.

Weitere Schwerpunkte werden in der gemeinsamen Qualitätsarbeit liegen. So sollen einerseits gemeinsame Standards der Versorgung und eine berlinweite Palliativdokumentation entwickelt werden. Andererseits will das BAAP auch eine gemeinsame statistische Erhebung der Versorgungsdaten ermitteln. Denn bislang liegen für Bedarf und Aufwand der ambulanten palliativen Versorgung nur ungenaue Schätzzahlen vor.

Das BAAP will eng mit den regionalen Verbänden/ Vereinen, wie beispielsweise mit Home Care Berlin e.V. und  dem Hospiz- und Palliativverband Berlin e.V. (HPV-B) zusammenarbeiten. Neben Home Care sind die Kassenärztliche Vereinigung und die Gesetzlichen Krankenkassen Vertragspartner zur Sicherung der ambulanten palliativen Versorgung in Berlin. Doch im Sommer waren die Kassen und die Pflegedienste im BAAP übereingekommen, dass ab 2013 auch die Pflegedienste einen Vertragspartner stellen sollen. Mit der Gründung des BAAP wurde hierfür die Voraussetzung geschaffen.

Überdies ist es den Initiatoren wichtig, die Zusammenarbeit auch mit überregionalen Verbänden und Stiftungen, wie beispielsweise der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), dem Deutschen Hospiz- und Palliativverband (DHPV) oder aber der Deutschen Palliativ Stiftung (DPS) zu suchen.


   

 

 

 


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